von Dr. Günther BergerJoseph Orient (Urindt), einer der bedeutendsten österreichischen Tafelbildmaler des Spätbarocks, wurde am 24. April 1677 als jüngster Sohn von Martin (geb. 1640) und Ursula Urindt in Purbach (damals Feketeváros) geboren. Sein Vater war Mitglied der Purbacher Tischlerzunft und fertigte beispielsweise den noch heute bestehenden Hochaltar der Pfarrkirche Donnerskirchen an. Seine Brüder hießen Johannes Leopold (geboren am 10. November 1671) und Friedrich (geb. 1673). Nach dem Tod des Vaters (10. Juli 1680) heiratete die Mutter am 8 Juli 1682 den Zunfttischlermeister Georg Glirckh. (Forschungsergebnisse von OSR Hans Kietaibl).
Joseph Orient verließ seinen Geburtsort , um in Wien bei dem berühmten in Rom und Venedig geschulten Maler und Radierer Anton Faistenberger (1663 Salzburg -29. 2. 1708 Wien) zu studieren. Allerdings Übernahm er nicht dessen konventionelloftmals große pathetische Ideallandschaftsdarstellungen, sondern orientierte sich eher am scharf gezeichneten kleinformatigen Spätwerk Hermann (III.) Saftlevens (1609 Rotterdam - 5. 1. 1685 Utrecht). Besonders geschätzt hat er Jan (I.) Grittier (1645 Antwerpen - 1718 London).
Über Orients Leben ist nur bekannt, daß er am 21. Jänner 1703 in Wien, St. Ulrich, Anna Margarethe Wolkas (geb. 1688 in Sieggraben) heiratete und 1733 einige Zeit in Sachsen sowie Frankfurt am Main weilte und auch dort einen Schülerkreis um sich versammelte. In der Standesliste der 1741 geg. Frey-Compagnie der "k. freyen Hof-Akademie der Mahlerey, Bildhauerey und Baukunst" wird Orient in der I. Corporalschaft erwähnt. Ungewiß bleibt, ob Orient auch Professor oder gar Vizedirektor der 1704 von Kaiser Leopold I geg. Hof-Akademie war. Sicher ist jedoch, daß seine brillanten Darstellungen von hohem Standpunkt in ferne Gebirgstäler und waldreiche Schluchten schon bald bei Fürsten begehrte und entsprechend teure Sammelstücke wurden. Joseph Orients Geschick, in seinem oft mittels Hohlspiegels gemalten Landschaften verschiedene Jahres- und Tageszeiten darzustellen, lenkte die Aufmerksamkeit solcher Kunstkenner, wie Christian Ludwig von Hagedorn auf ihn und brachte ihm den Ruf eines virtuosen Naturnachahmers ein. Da Orients Meisterwerke schon zu seinen Lebzeiten schwer zu bekommen waren, wurden sie von den Kupferstechern Christoph Rösel in Köln und Mainz sowie Carl Christion Leichsenring in Dresden für jedermann erschwinglich reproduziert .Gelegentlich durften seine Schüler Franz Christoph Janneck, Franz Josef de Paula Ferg, Johann Gabriel Canton, Johann Franz Nepomuk Lauterer und Johann Christoph Thurner die winzigen Figürchen in Orients farbprächtigen Landschaften malen.
Joseph Orient hat sich auch um die Entwicklung der in freier Natur gemalten Wiener Landschaftsdarstellung verdient gemacht, indem er erst- mals in zwei topographisch exakten atmosphärisch aquarellierten Federzeichnungen die damaligen Vororte Meidling (Schönbrunn) und Hietzing sowie Neulerchenfeld/ Altottakring und Hernals wiedergab. (Graphische Sammlung Albertina), Am 17. März 1747 starb Josef Orient in seinem Haus "Zur goldenen Sonne" am Schottenfeld, Bandgasse 41, an Lungl-Brand.