Wenn im Frühling im Leithagebirge die Schneeschmelze beginnt, steigt in Purbach der Grundswasserspiegel an. Früher sickerte dann das Grundwasser in die tiefer gelegenen Hauskeller und überschwemmte sie.Die Leute halfen sich, indem sie "Schnitt" vom Leithagebirge in die betroffenen Keller karrten, die auf diese Weise immer niedriger wurden. Die Nässe tat weden den Fässern noch dem Wein gut. Als sich die Marktgemeinde 1873 von der Grundherrschaft löste, ergab sich die Möglichkeit, auf der weiten unverbauten Fläche außerhalb der Marktmauer, gegenüber dem Türkentor, neue Weinkeller anzulegen.
So entstand im Laufe der Zeit das Kellerviertel. Wegen des hohen Grundwasserspiegels im Frühjahr wurden die neuen Keller nicht tief in die Erde gegraben, sondern aufgeschüttet. Es wurde eine Grube ausgehoben, der Keller gewölbt, mit einer dicken Erdschicht überdacht und die Kellerfront mit zugeschlagenen Kalksteinblöcken gefügt. So entstand eine Kellerlandschaft mit sechs parallelen Kellerreihen. Diese Keller mit den Rücken zueinanderliegend, bildeten drei Gassen.
Es waren dies die Fellner-und die Kellergasse. Die dritte Gasse wurde von der Gemeinde in jüngster Zeit zu einem Kellerplatz ausgestaltet. Die meisten Keller entstanden um 1873 und 1900. Der größte Keller , schon 1852 von Andreas Schüller errichtet, wurde 1926 von den beiden neuen Besitzern geteilt. An Hand der noch vorhandenen und lesbaren Inschriften läßt sich die Entstehungsgeschichte des Kellerviertels zurückverfolgen.
Diese gewaltige Kelleranlage wurde so großzügig geplant, daß sie lange Zeit ihren Zweck voll erfüllte. Herrschte früher zur Weinlese bei den Markttoren großes Gedränge, gab es für die neuen Kellerbesitzer keine Behinderungen. Sie hatten nun kurze Verbindungswege zu ihren Weingärten - die Trauben konnten rasch abgeladen und gepreßt werden. Jeder Keller bestand aus 2 Teilen - dem Preßhaus und dem eigentlichen Faßkeller. Die Besitzer, die im Dorf wohnten, konnten rasch die neuen Keller gegenüber dem Türkentor erreichen, um nach dem Rechten zu sehen.
Viele Keller dienen heute nur mehr als Lagerraum für den Flaschenwein. In der Fellnergasse ist man noch einen Schritt weiter gegangen. Man errichtete über den Kellern Wohnhäuser und zerstörte so diesen Teil des Kellerviertels. Die Gemeinde hat aber der weiteren Zerstörung bzw. Verbauung einen Riegel vorgeschoben und ein Bauverbot verhängt. Heute wird der Kellerplatz für diverse Veranstaltungen genutzt und lädt mit seinen zahlreichen Buschenschenken zum Verweilen und Verkosten des "guten Purbacher Weines" ein.