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1963 verkaufte der Landwirt Paul Fasching das abbruchreife Haus in der Bodenzeile 3 dem Innsbrucker Hotelier Ing. Hans Hieszmayr. Der Bruder von Ing. Hiesmayr, Arch. DI Ernst Hieszmayr, restaurierte und revitalisierte das Gebäude mit viel Sachkenntnis und großem Einfühlungsvermögen. Es wurde ein Luxusrestaurant und erhielt den Namen Nikolauszeche".

Will man die Vorbesitzer des Gebäudes kennenlernen, muß man das "Purbacher Haus-Gwöhrbuch" zu Rate ziehen, das von der Eisenstädter Herrschaftsobrigkeit 1609 angelegt wurde, nachdem der Ort 1605 von den aufständischen Heiducken des Fürsten Bocskay verwüstet und niedergebrannt worden war.

1609 scheint Wolf Weninger als Hausbesitzer auf. Seine Witwe Gerdrauth heiratete 1629 Matheß Schwarz, der das Haus übernahm. Er starb 1645 an der Pest. 1651 scheinen Jacob und Agnes Grassinger als Besitzer auf. 1659 war Jacob Käppel Besitzer 1675 kauften Martin und Maria Röhrter die Hofstatt um 80 Gulden von Paul Prickler. 1689 kauften Georg und Barbara Gängl die Hofstatt Martin Röhrter um 60 Gulden ab.

1697 erwarb der Hufschmied Hans Scheibstock und seine Frau Margarethe die Hofstatt von Georg Gängl um 100 Gulden. Scheibstock richtete im Haus eine Werkstatt ein.

Sein Sohn, Hufschmied Paul Scheibstock, erwarb das Haus von seinem Vater, nach Hinauszahlung der Erbportion in Höhe von 55 Gulden, um 170 Gulden. 1709 und 1710 scheint in den Pfarrmatriken ein "Paul Scheuchenstock", auch "Scheichenstock" als Kirchenvater auf. 1714 und 1719 war Paul Scheibstock Ratsbürger. 1718 ließ er am Weingartenweg nach Donnerskirchen, unweit der Waldpension Hölzl-Schwarz, eine Donatisäule errichten. Sie trägt folgende Inschrift: "Gott und dem hl.Donati zu Ehren hab ich, M.Paul Scheibstock und Barbara, meine Ehewirtin, diese Säulen aufrichten lassen, daß uns Gott durch die Vorbitt des hl. Donati vor Schauer und Gefriehr, Wassergisse und schedlichen Ungewitter gnediglich behieten wolle. Amen. 1718".

Links neben dem Eingang des Gebäudes in der Bodenzeile erinnert eine Paulusstatue mit der Inschrift"Paul Scheibstock, 1720 " an den gottesfürchtigen "Gmainschmied".

In der keramischen Abteilung des Kunstgewerbemuseums in Budapest befindet sich ein Habaner Handwaschbecken aus dem Besitz Paul Scheibstocks mit der Inschrift "P S 1721", das der spätere Bischof von Kaschau von einer Purbacher Schmiedefamilie 1892 erworben und dem Museum vermacht hatte. Auf dem Aquamanile kann man das Zunftzeichen der Schmiede - Amboß, Hammer und Zange - erkennen.

1720 dürfte Scheibstock seine Frau verloren und wiedergeheiratet haben.Im Mirakelbuch des Wallfahrtsortes Annaberg in Niederösterreich findet man folgende Eintragung: " Am 19. August 1728 berichtet Eva Scheibstockin, eine Hofschmiedin zu Purbach bei Eisenstadt, daß ihr siebenjähriges Töchterlein im Laufen hingefallen sei und sich ein spitzes Holz tief ins Auge gestoßen habe. Das Kind blutete heftig und es schien, als müsse es erblinden. Die Mutter, eine große Verehrerin der hl. Anna, ruft um Hilf auf dem hl. Annaberg und das Auge wurde geheilt."

An Meister SCHEIBSTOCK erinnert auch der Spruch, der in goldfarbenen Frakturlettern an der Türe im Halbstock des Hauses prangt und die Jahreszahl " 1740" zeigt:

"Hüte dich,
fluche nicht in meinem Hauss
oder geht bald zur Thür hinauss !
Mögt sonst Gott im Himmelreich
Beid straffen, mich und dich zugleich !"

Die Rückseite der Tür ist bemalt. Es zeigt die beiden Apostel Johannes und Markus. Das Portal stammt noch aus der Renaissancezeit.

1745 scheint der Name Scheibstock in einer Kirchenrechnung auf, 1747 starb er im Alter von 70 Jahren. 1748 heiratete seine Witwe den Hofschmied Johann Georg Kern. Kern heiratete ein 2. Mal und starb kinderlos 1780. Seine Witwe Elisabeth heiratete 1782 den Hufschmied Franz Rauchbauer. Nach ihrem Tod heiratete er Maria, die Tochter des Söllners Fridholm. Sie schenkte ihm einen Sohn und verstarb 1790. Der Witwer heiratete abermals und zwar Therese, die Tochter des Halblehners Andreas Hanikel. Franz Rauchbauer starb 1806 und hinterließ die Witwe mit 6 Kindern.
Im gleichen Jahr vermählte sie sich mit dem 22jährigen Hufschmied Josef Präntl, der aus Stöttera stammte. An diesen Hufschmied erinnert der Keilstein über dem Kellerabgang in der "Nikolauszeche" mit den Initialen " J + P.1812". Josef Präntl starb 1829. Die Witwe übergab ihrem Sohn Johann Rauchbauer das Haus mit der Werkstätte. Rauchbauer war 1837 und von 1846 bis 1848 Marktrichter und scheint 1862 als Geschworener auf.

Sein Sohn wurde Kurschmied. Er verstand sich also auf die Behandlung von Pferdekrankheiten. Er heiratete am 5.Juni 1860 Magdalena, die Tochter des Halblehners Johann Guszmann und seiner Frau Anna Maria, einer geborenen Adelsberger. Das Ehepaar hinterließ eine Tochter und das Haus kam durch ihre Heirat in bäuerlichen Besitz.

1900 zog ein Bäckermeister in das Haus. 1908 folgte ihm Bäckermeister Gasch, der 14 Kinder aufzog. Das Haus wurde schließlich 1915 von den Besitzern verpachtet. 1963 stand es völlig verfallen da.