Das Halblehenhaus des Andreas GreinDie Sage vom verschleppten Purbacher Buben Andreas Grein gehört neben der vom "Purbacher Türken" zu den schönsten und interessantesten Erzählungen im Ort. So wie der steinerne Türke am Rauchfang erinnern ein Votivbild des Andreas Grein und eine Dreifaltigkeitssäule mit der Jahreszahl "1647", die in der Ried "am Zelter" an der Straße nach Breitenbrunn steht, an die leidvolle Türkenzeit.
Im Jahre 1647 war Johann Strebele, ein Schwabe, Pfarrer in Purbach, Jacob Kiesling, ein Halblehner, Marktrichter und der Franke Johann Georg Schubert, Schullehrer, Kantor und Marktrichter.
Zwei Jahre vorher war die große Pestepidemie erloschen, an sie erinnert das "Purbacher Kreuz" in Loretto mit einer Inschrift und der Jahreszahl "1645". Da Andreas Grein, der Sage nach, als Zehn-oder Zwölfjähriger von den Tartaren verschleppt wurde, könnte man des Geburtsjahr zwischen 1635 und 1637, also einige Jahre nach dem Mauerbau annehmen.
Damals wagten sich die berittenen Streifscharen der Türken nicht mehr an die Marktmauer heran, denn sie war mit vielen Schießscharten versehen, dahinter lauerten gute Schützen. So begnügten sie sich, die auf den Feldern arbeitenden Menschen abzufangen und in die Türkei zu verschleppen und allenfalls hohes Lösegeld zu erpressen. Die Tartaren galten als besonders grausam und unberechenbar und waren deshalb sehr gefürchtet (- beheimatet auf der Halbinsel Krim in der heutigen Ukraine). Die Rückkehr des Andreas Grein aus der Gefangenschaft erregte im Dorf beträchtliches Aufsehen, da dies nur sehr wenigen gelang.
Das sog. "Greinhaus" steht in der Schulgasse 15. Als Besitzer im Jahre 1647 scheint der Halblehner Georg Schrämbl auf, der die Witwe des 1610 verstorbenen Gregor Huetter geheiratet hatte. Georg Schrämbl starb 1662 und hinterließ die Witwe Barbara mit fünf Kindern. Der älteste Sohn Michael übernahm mit 25 Jahren die Wirtschaft und heiratete eine Maria, die 1669 starb. Er selbst verstarb 1679.
In der Bodenzeile 18 stand das Halblehenhaus des Georg Grein. Als er 1680 starb, wurde sein Haus auf 655 Gulden geschätzt. Er hinterließ die Witwe Catharina und fünf Kinder. Unter diesen Halbwaisen scheint Andreas Grein im Alter von 14 Jahren auf. Dieser Andreas Grein heiratete als "Junggeselle" am 265.10.1687 die "tugendsame Wittib Catharina, weiland des in Gott ruhenden Hans Neupauer". Als Trauzeugen scheinen Georg Harether, Marktrichter und Hans Hackstock auf. Andreas Grein wird in der Pfarrmatrik als Sohn des 1687 verstorbenen Georg Grein geführt.
1689 erbte dieser Andreas Grein das bereits erwähnte Halblehenhaus des 1679 verstorbenen Michael Schrämbl in der heutigen Schulgasse 15. Am 18.10.1708 starb Catharina Grein und überließ ihrem Ehemann ihren gesamten Besitz. Er galt als wohlhabender Bauer.
Es fällt auf, daß die Dreifaltigkeitssäule, die die Jahreszahl "1647" trägt, stark der Pestsäule aus dem Jahre 1713 ähnelt, die auf dem Raiffeisenplatz vor dem Scheweck-Haus steht. Beide zeigen eine korinthische Säule, die mit Weinranken, Blättern und Trauben umwunden ist. 1716 kauften Jacob und Maria Praunstain das Halblehenhaus des Andreas Grein in der Schulgasse um 400 Gulden.
1722 erwarb es Jacob Grein-damals hatte die Verwandtschaft ein Vorkaufsrecht bei Veräußerung von Häusern und Grundstücken. 1726 kauften Georg und Maria Grein den Besitz. 1756 erwarben ihn Mathias und Eva Grein um 338 Gulden.
Joseph Adlesberger heiratete 1756 Eva, die Witwe nach Mathias Grein. Im Keilstein über dem Toreingang sind die Jahreszahl "1791", die Initialen "JK" und ein Krebs eingemeißelt. In diesem Jahr erwarb Johann Koppi das "Grein-Haus". Nach der Überlieferung im Dorf soll sich der abgebildete Krebs auf die Flucht des Andreas Grein beziehen, der sich im Krebsgang während der Nacht aus dem Lager schlich, um seine Verfolger irrezuführen. Der Sohn Mathias Koppi erbte das Haus, er war von 1849 - 1853 Marktrichter in Purbach. Im Jahre 1850 wohnten in dem "Grein-Haus" 16 Personen.
Die Koppis pflegten das Andenken an Andreas Grein, betreuten die Dreifaltigkeitssäule, auch Koppi-Kreuz genannt, und hüteten das Votivbild. Heute besitzt die Familie Raditsch das Haus in der Schulgasse 15. Das Votivbild hängt in der "Nikolauszeche".
Herr Msgr.Dr.Hillinger sammelte Geld in der Pfarre Purbach und ließ die Dreifaltigkeitssäule bei dem Mannersdorfer Steinmetzmeister und Bildhauer Robert Widhalm restaurieren. Dabei wurden am oberen Rand des Säulenschaftes die Initialen "G W " entdeckt, die noch gedeutet werden müssen.