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Freizeit/Kultur
Kulturverein  »  Der Schmied beim Tor

Das Haus am alten Markttor, Hauptgasse 3, gehört der Familie Filz. Es zählt zu den schönsten alten Hofstatthäusern im Ort, ist stockhoch und besitzt einen Säulengang. Dieses Haus diente jahrhundertelang den Hufschmiedemeistern als Werkstatt und Wohnung.

Nach dem Herrschaftsurbar aus 1569 gehörte die Hofstatt Mathias Claus. Er starb 1595. Sein ältester Sohn Hans erbte das Gut. Im Jahre 1603, also noch vor dem verherrenden Einfall der aufständischen Haiducken Stephan Bocskays, starb Hans Claus. Seine Witwe Catharina hatte keine "Leibeserben". Sie heiratete den Schmiedemeister Leopold Wimmer, der 1629 als Besitzer der Hofstatt aufscheint. 1634 verstarb Leopold Wimmer. Seine Witwe überließ die Schmiede dem Meister Andre Ellnprein mit der Bedingung, daß sie "ihr Leben lang freie Herberg haben sollte".

1644 scheinen Georg Reichardt und seine Ehefrau Eva als Besitzer auf. Reichardt scheint auch als Ratsbürger auf und verstarb 1649. In seinem Testament setzte er seine Frau als Universalerbin ein. Sie heiratete 1650 Bärtlme Melzer.

1653 baten die Meister Bärtlme Melzer, Mathes Scherr zu Kleinhöflein, Hans Wollrab zu St.Margarethen, Jacob Schefer zu Donnerskirchen, Gregor Trukaschitz zu Gschiess und Paul Radonitsch zu Oslip den Fürsten Paul Esterhazy (1652 - 1713) um die Erlaubnis, in Purbach eine Zunft der Hufschmiede "aufrichten" zu dürfen. Der Fürst willigte ein und Bärtlme Melzer wurde "verordneter Vater und Zechmeister".

Bis zum Jahre 1700 gehörten die Meister, Gesellen und Lehrjungen aus Purbach, Kleinhöflein, St.Georgen, Gschies, Donnerskirchen, Oslip, Oggau, St.Margarethen, Trausdorf, Zagersdorf, Podersdorf und dem Schloßgrund Eisenstadt der Purbacher Zunft an. In den unruhigen und unsicheren Jahren 1658 und 1659 scheint Bärtlme Melzer als Hufschmied und bestellter Wachtmeister auf. Seine Frau Eva starb 1658.

1659 heiratete er die Tochter des Steinmetzmeisters Rauschmayr - Eva Rauschmayr. Meister Melzer starb 1683, noch vor dem Einfall der Türken in Purbach, im Alter von 77 Jahren. Nach seinem Tod ging es mit der Purbacher Schmiedezeche rasch bergab. Es folgten untüchtige Zechmeister, woraus dem Handwerk Schaden erwuchs. Die erbosten auswärtigen Meister wandten sich 1701 an Fürst Paul Esterhazy und baten um Erlaubnis, beim Schloß in Eisenstadt, eine neue Schmiedezunft "aufrichten" zu dürfen. Nach Errichtung der neuen Zunft verließen die meisten Meister die Purbacher Zeche.

1686 heiratete die Witwe nach Meister Melzer den Junggesell Paul Händl. Sie verstarb 1691. Paul Händl heiratete noch im gleichen Jahr Christine Graf. Er starb 1710. Seine Witwe heiratete 1712 den Schmied Thomas Zailler und verstarb 1715 im Alter von 40 Jahren. Thomas Zailler heiratete ein zweites Mal 1720 und starb 1746 im Alter von 78. 1751 kauften der Schmiedmeister Johann Georg Mayer und seine Frau Clara das Haus um 380 Gulden.

Im Jahre 1756 wandten sich die Purbacher Schmiedmeister an Fürst Paul Esterhazy (1721-1762) und baten ihn, ihre alten Handwerksprivilegien zu konfomieren. Im Einvernehmen mit der Eisenstädter Schmiedezunft genehmigte der Fürst, daß künftighin zwei Meister in Donnerskirchen und die drei Meister in Oggau der Purbacher Zunft einverleibt bleiben sollten.

1765 verstarb die Hufschmiedmeistern Clara Mayer. Im gleichen Jahr heiratete der verwitwete Georg Mayer die Tochter des Mattersburger Zimmermeisters Anna Maria Angerer. Georg Mayer verstarb 1771 und hinterließ seine Frau Anna Maria und 4 Halbwaisen. Die Witwe heiratete im gleichen Jahr den Hufschmied Leopold Pfeller aus Fischamend in N.Ö. Sie verstarb 1774. Im Jahre 1775 heiratete Leopold Pfeller die Jungfrau Magdalena Mötzl. Mit Leopold Pfeller endet die Reihe der Schmiedemeister in der Hofstatt beim alten Markttor.

Der nächste Besitzer war der Landwirt Franz Rauchbauer, der Sohn eines Hufschmieds. Mit 38 Jahren heiratete er 1823 die Witwe Anna Maria Tinagl. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder. Nach seinem Tod 1831 heiratete seine Witwe ein drittes Mal- den Landwirt Anton Lazarus. Der Sohn Joseph Rauchbauer erbte die Hofstatt und heiratete 1847 Elisabeth Wallhofer. Im Urbar 1872 scheint Joseph Rauchbauer noch als Besitzer der Hofstatt auf. 1874 kauften Stefan und Therese Filz aus Neusiedl die Hofstatt von Josef Rauchbauer und betrieben eine Landwirtschaft.